Gamshurst: Projekte im Dorf
Wässerungssystem flutete einst Gamshurster Wiesen (Bericht 05/2010)
Zwei historische Wehranlagen wurden durch das Rentnerteam des Vereins für Ortsgeschichte bei mehreren Arbeitseinsätzen in den vergangenen Wochen restauriert und präsentieren sich nun wieder als anschauliches Zeitzeugnis des ehemaligen Wässerungssystems der Gamshurster Wiesen.


Die beiden Regulierschleusen, die seit Kriegsende kaum mehr genutzt wurden und mit der Zeit in Vergessenheit gerieten, finden sich heute noch beidseitig der Kreisstraße zwischen Gamshurst und Memprechtshofen.
Um das Jahr 1872 wurden 27 Hektar landwirtschaftliche Fläche, die mit Wasserlöchern, Weidengestrüpp und Binsen durchsetzt waren, im Bereich des Gewanns "Erlen", nördlich der Straße zum Nachbardorf, in zweijähriger Arbeit zur Be- und Entwässerung präpariert, mit dem Zweck, ergiebigere Heuernten zu erzielen.
Die Grab- und Planierarbeiten führten Gamshurster Bürger und Taglöhner mit Schaufel, Schubkarre und "Stockhau" in mühevoller Handarbeit durch.
Solche Tätigkeiten waren im Winter oder nach der Heu- und Getreideernte ein willkommener Zusatzverdienst für die Bewohner des damals vorwiegend landwirtschaftlich geprägten Ortes und wurden in Losen von einem Morgen (36 Ar) Fläche an den "Wenigstnehmenden" versteigert.
Zur Wässerung der Wiesen wurde Wasser des Ansenbachs, der Merlach und auch der Acher genutzt und nach der Flutung wieder südlich und nördlich des Erlenwaldes in die Acher abgeleitet.
1960 wurden die charakteristischen schmalen Wiesen mit den Wasserrinnen im Rahmen der Flurbereinigung eingeebnet - für großflächigen Maschineneinsatz auf den Feldern waren sie mehr störend als nutzbringend.


Nach der Restauration der Wehranlagen, für die das ehrenamtliche Team des Vereins für Ortsgeschichte etwa 180 Arbeitsstunden aufwendete - die Anlage war über die Jahre hinweg total zugewachsen und musste komplett ab- und wieder aufgebaut werden - wurde das Areal der Anlage, die auf dem Weg zum Grillplatz und dem "Hornisgrindeblick" liegt, noch bepflanzt.
Man legte großen Wert auf eine naturnahe Gestaltung mit heimischen Wiesen- und Wasserpflanzen. Walderdbeeren, Wildrosen und ein Strauch Wilder Hopfen säumen die Umgebung rund um den Graben. Holunder und Haselhecken werden noch folgen.
Ortsvorsteher Hans Jürgen Morgenstern sprach den Helfern ein großes Lob für ihren unermüdlichen Einsatz aus. Im angestauten Wasser werden sicherlich bald Frösche und Wassertiere anzutreffen sein - gewiss einmal ein guter Platz für Kinder, um im praxisnahen Anschauungsunterricht Natur und Tiere zu beobachten.
Nicht ohne Grund hatte man diesen Platz anlässlich des "Tags des Baumes" - gewählt, um ihn den Kindern näher zu bringen. Vor wenigen Wochen pflanzten Gamshurster Grundschüler dort eine Vogelkirsche, den Baum des Jahres 2010.
Mit einem Glas Sekt stieß der Ortsvorsteher gemeinsam mit den Helfern auf den offiziellen Abschluss dieser Renovierungsmaßnahme an. Er dankte sowohl denen, die mit anpackten, als auch der örtlichen Jagdgenossenschaft für die finanzielle Unterstützung der Maßnahmen des Vereins für Ortsgeschichte.
Bericht: Marco Weber / Fotos: Werner Bühler & Marco Weber
